Bences Feld wurde nicht gepflügt, dennoch sind die Erträge auf dem sandigen Boden gut
Sie denken ständig nach, doch statt sich über die Dürre zu beklagen, meistern sie die Herausforderung
Heutzutage ist der heimische Pflanzenbau vor allem von Ratlosigkeit geprägt: Die Böden verschlechtern sich, das Wetter ist dramatisch unberechenbar, die Märkte sind schwach. Es ist erfrischend, mit Landwirten zu sprechen, die sich von den Herausforderungen nicht unterkriegen lassen: Die Familie Ritzl Sein Familienbetrieb erzielte auf besonders ungünstigen Feldern und trotz sehr geringer Niederschlagsmengen ordentliche Erträge und Einnahmen – „obwohl” der Boden dort schon seit etwa anderthalb Jahrzehnten nicht mehr umgegraben wurde. Was ist das Geheimnis? – Um die Antwort darauf zu erfahren, reisten wir nach Baja, wo wir auch erfuhren, warum der Akazienbaum in den Pflug hineinwuchs…

(Foto: Zoltán Kohout/Horizont Média)
Zusammen mit seinem Vater führt Bence den Familienbetrieb in der Region Baja weiter, dessen Grundstein noch seine Urgroßmutter gelegt und dessen Aufbau sein Vater in die Wege geleitet hat. Die Familie bewirtschaftet heute rund 150 Hektar Land in einem Umkreis von wenigen Kilometern. Die Bodenverhältnisse auf den Feldern sind sehr unterschiedlich: Es gibt Schwemmland am Donauufer, sandige Flächen mit geringer Krume, aber auch sandige Böden mit besserer Struktur und höherem Humusgehalt. Diese Vielfalt hat sie schon an sich zur Vorsicht gelehrt, denn was auf einem Feld funktioniert, kann auf einem anderen leicht ein Risiko darstellen.
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Es ist längst nicht mehr die regenerative Landwirtschaft, die sich beweisen muss
Das Pflügen ist bereits seit mehr als zehn Jahren aus dem System verschwunden
In der Landwirtschaft ist der Pflanzenbau mittlerweile der Schwerpunkt geblieben. Getreide, Winter- und Sommerhafer, Weizen, Saatgutanbau, Erbsen, Sonnenblumen sowie auf kleineren Flächen Mais und noch weitere Kulturen sind Teil der Fruchtfolge. Im Mittelpunkt der Anbaumethode steht jedoch nicht die einzelne Pflanze, sondern die Erhaltung der Bodenqualität. In der Denkweise der Familie Bencze ist der Boden nicht einfach nur ein Anbaumedium, sondern eine Ressource, deren Wasserhaltevermögen, Struktur und biologische Aktivität die Zukunft des Betriebs entscheidend bestimmen.
Laut Bence vollzog sich die Veränderung nicht von heute auf morgen. Zunächst wurde nur experimentiert: Ein Bereich wurde gelockert, ein anderer mit Scheibeneggen bearbeitet, an anderer Stelle wurde flacher gepflügt. Sie beobachteten, ob es nennenswerte Unterschiede im Ertrag gab und wie viel Zeit, Kraftstoff und Energie die einzelnen Methoden erforderten. Auf der Grundlage mehrjähriger Erfahrungen kamen sie zu dem Schluss, dass weniger Bodenbearbeitung nicht unbedingt zu schlechteren Ergebnissen führt.
Wie er sagte, wurde der Acker zuletzt im Jahr 2013 gepflügt. Der Pflug verschwand Jahre später so aus dem Betrieb, dass inzwischen fast ein Akazienbaum darin eingewachsen war (!). Dies zeigt deutlich, wie endgültig die Neuausrichtung geworden ist: An die Stelle der Fruchtfolge trat nach und nach die pfluglose Bodenbearbeitung, gefolgt vom Direktsaatsystem. Laut Bence war die entscheidende Erkenntnis bei der Umstellung, dass das Aufbrechen des Bodens nicht nur Arbeit bedeutet, sondern auch Verluste: sowohl hinsichtlich der Bodenstruktur als auch des Feuchtigkeitsgehalts und des Zeitaufwands.
Direktsaat ist bei ihnen kein Trend, sondern eine Strategie zum Gewässerschutz
Auf dem Betrieb wird heute nach dem No-Till-Verfahren gearbeitet, das heißt, die Aussaat erfolgt direkt mit der Sämaschine, ohne dass zuvor gepflügt, mit Scheibeneggen bearbeitet oder gelockert wird. Bence drückte es so aus: Jede Bodenbearbeitung geht mit einem Wasserverlust einher. Ein Pflügen, ein Auflockern, ein Scheibeneggen oder sogar ein Untergraben kann dem Boden Feuchtigkeit entziehen, die sich in Millimetern messen lässt.
Angesichts der heutigen Wetterextreme ist dies keine Nebensache mehr. Wenn ein Betrieb durch unnötige Bodenbearbeitung 5, 10 oder sogar mehr Millimeter Wasser verliert, kann dies später beim Auflaufen, bei der Bestockung oder bei der Kornbildung zu Engpässen führen. Die Familie Bence denkt daher nicht an Bewässerung, sondern daran, eine Technologie einzusetzen, die hält so viel Wasser wie möglich im Boden zurück. Die Direktsaat ist für sie keine technologische Spielerei, sondern eine Antwort darauf, dass die Niederschläge immer unberechenbarer werden und die Sommer die Böden immer stärker auf die Probe stellen.
Stängelreste sind kein Hindernis, sondern dienen als Mulch
Ein wesentlicher Aspekt des Systems besteht darin, dass die Stoppel nicht entfernt, sondern auf der Oberfläche belassen werden sollen. Die auf dem Feld zurückgelassenen Pflanzenreste spenden dem Boden Schatten, verringern die Verdunstung, schützen die Oberfläche vor Erosion und tragen zur Erhaltung des Bodenlebens bei.
Laut Bence ist dies besonders in sandigeren Gebieten mit schlechterer Wasserwirtschaft wichtig. Dort, wo die Sonne den Boden über einen längeren Zeitraum direkt bestrahlt, geht die Feuchtigkeit schneller verloren. Eine bedeckte Oberfläche trägt hingegen dazu bei, dass der zuvor gefallene Niederschlag länger genutzt werden kann. Auf dem Betrieb wurde zudem beobachtet, dass Getreide nach bestimmten Stoppelfeldern selbst in einem sehr trockenen Herbst noch keimen konnte, da im Boden noch genügend Feuchtigkeit vorhanden war, die für die Keimung benötigt wurde. In der Praxis bedeutet dies, dass Stoppelrückstände kein Abfall sind, sondern eine der Garantien für den erfolgreichen Start der nächsten Kultur. „Daraus lässt sich in der Praxis viel lernen, denn Stoppelrückstände werfen auch Fragen zur Aussaat und zum Pflanzenschutz auf. Andererseits bieten sie auch viele Antworten auf Probleme, die bei der konventionellen Bewirtschaftung auftreten. Nur ein Beispiel: Auf einem Feld, auf dem mit hohem Stoppelbestand geerntet wurde, betrug die Tiefe der durchfeuchteten Schicht nach einem stärkeren Regen 18–20 Zentimeter, während sie bei niedrigerem Stoppelbestand nur 10 Zentimeter betrug. ”Es spielt auch eine große Rolle, wie viel Pflanzenrest den Wind auffängt und wie viel Wasser dadurch in den Boden geleitet werden kann“, erklärt der junge Fachmann, der sein Agrarstudium in Hódmezővásárhely absolviert hat, anhand eines anschaulichen Beispiels.
Auf 60 Hektar wurde vor den Frühjahrskulturen eine Deckfrucht ausgesät
Die Deckfrüchte werden nicht als administrative Verpflichtung betrachtet. Bence betonte, dass man die Begrünung nicht einfach „abhaken” wolle, sondern ihr einen Sinn geben wolle. Im vergangenen Jahr wurden auf rund 60 Hektar Deckfrüchte ausgesät, die als Vorfrucht für die Frühjahrskulturen gedacht waren. Diese Bestände gingen im Herbst gut auf, blieben über den Winter auf der Fläche und wurden dann im Frühjahr abgeerntet.
Die Deckfrucht erfüllt bei ihnen mehrere Zwecke: Sie schützt den Boden, bedeckt die Oberfläche, verbessert mit ihren Wurzeln die Bodenstruktur und versorgt das Bodenleben mit Zucker. Die nachfolgende Hauptkultur wird somit nicht in „leeren” Boden gepflanzt, sondern in ein Milieu, in dem bereits lebende Wurzelgänge, organische Rückstände und aktivere biologische Prozesse auf sie warten. Laut Bence hat eine Deckfrucht auch dann noch einen Nutzen, wenn ein Großteil davon vom Wild abgefressen wird, da das Wurzelsystem und die im Boden verbleibende biologische Wirkung auch in diesem Fall nicht verloren gehen.

Es ist nicht egal, welche Hauptkultur auf welche Vorfrucht angebaut wird
Die Mischungen aus Deckpflanzen werden stets auf die nachfolgende Hauptkultur abgestimmt. Laut Bence ist es wichtig, dass keine verwandten Pflanzen in die Mischung gelangen, wenn danach eine identische oder eng verwandte Hauptkultur folgt. Sonnenblumen sind beispielsweise eine gute, kostengünstige, frostempfindliche und stark pfahlwurzelnde Komponente in einer Mischung, aber wenn die nachfolgende Hauptpflanze ebenfalls eine Sonnenblume ist, werden sie nicht hinzugefügt.
Dafür gibt es auch pflanzenschutztechnische Gründe: Es lohnt sich nicht, bewusst Pflanzenkombinationen beizubehalten, die das Überwintern von Krankheitserregern oder Schädlingen begünstigen könnten. Im landwirtschaftlichen Betrieb wird daher feldweise gedacht. Man schaut, was die Vorfrucht war, was danach kommt, und passt die Mischung entsprechend an. Großkörnige Erbsen können beispielsweise aus einem separaten Saatgutbehälter entnommen werden, während die kleineren Samen – Hafer, Raps, Sonnenblumen, Leinsamen, Phacelia – aus einem anderen Behälter ausgesät werden. Das ist keine spektakuläre Entscheidung, aber die Stabilität des Systems hängt oft gerade von solchen kleinen, im Voraus durchdachten Schritten ab.
Der Zeitpunkt der Ernte hängt sowohl von der Wassertemperatur als auch von der Bodentemperatur ab
Der Zeitpunkt der Entfernung der Deckfrucht ist eine der heikelsten Entscheidungen. Laut Bence wäre es im Prinzip gut, wenn der Bestand so lange wie möglich grün bliebe, da er den Boden bis dahin mit lebenden Wurzeln versorgt. Bleibt sie jedoch zu lange stehen, verbraucht sie auch Wasser, das der Hauptkultur später fehlen könnte. „Deshalb muss man ständig darüber nachdenken und abwägen. Man muss darauf achten, ob Niederschlag zu erwarten ist, wie viel Wasser im Boden vorhanden ist, wann die Aussaat erfolgt und wie schnell sich der Boden erwärmt. Eine zu lange stehen gelassene Deckfrucht kann die Bodenoberfläche kühler halten, was bei bestimmten Frühjahrskulturen den Antritt verzögern kann. Gleichzeitig kann ein zu frühes Abblühen die positive Wirkung auf das Bodenleben verringern”, sagt Bence. Die Entscheidung ist also keine Standardmaßnahme, sondern eine Situationsbeurteilung; ein echtes Geduldsspiel. Man muss das Wetter, den Boden und die Bedürfnisse der Hauptkultur im Auge behalten und dann rechtzeitig eine Entscheidung treffen, bevor die Deckfrucht nicht mehr hilft, sondern Wasser entzieht.
Die geringere Aussaatmenge ist keine Einsparung, sondern eine Anpassung
Auf dem Betrieb wurde auch die Aussaatmenge neu überdacht. Bei Mais beispielsweise wurde eine sehr geringe Aussaatmenge von etwa 41.500 Körnern pro Pflanze ausprobiert. Damit verzichtete man von vornherein auf einen außergewöhnlichen, rekordnahen Ertrag, doch das war auch gar nicht das Ziel. Die Logik dahinter ist, dass in einem trockenen Jahr in einem spärlicheren Bestand die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zwischen den Pflanzen geringer ist, sodass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass jede Pflanze mindestens einen Kolben bildet.
Auch bei den Getreidearten wird mit einer geringeren Aussaatmenge experimentiert. Weizen soll in einigen Gebieten mit einer Aussaatmenge von 160–170 Kilogramm pro Hektar, an anderen Orten mit 130 oder sogar 100 Kilogramm pro Hektar ausgesät werden. Die Frage ist, inwieweit der Bestand dies durch eine dichtere Bestockung ausgleichen kann und inwieweit der luftigere Pflanzenbestand weniger anfällig für Pilzkrankheiten sein wird. Die spärlichere Aussaat ist also keine einfache Kostensenkung, sondern bewusstes Risikomanagement: Weniger Pflanzen konkurrieren um dasselbe Wasser, während das gut angelaufene Getreide die geringere Pflanzenzahl möglicherweise durch Seitentriebe ausgleichen kann.

Der niedrigere Grenzwert gilt nur bei gutem Bodenzustand
Die geringere Aussaatmenge wirkt jedoch nicht von selbst. Dazu sind ein guter Bodenzustand, der richtige Aussaatzeitpunkt und ein schnelles Keimen erforderlich. Wenn das Saatgut zwar im Oktober in den Boden kommt, aber erst Ende November keimt, gilt dies agronomisch gesehen nicht mehr als Oktoberaussaat. Laut Bence ist eine reduzierte Aussaatdichte dann eine gangbare Lösung, wenn der Boden die Keimung gewährleisten kann und der Bestand rechtzeitig in die Wachstumsphase eintreten kann.
Deshalb hält er es nicht für sinnvoll, wenn jemand von einem Jahr auf das andere ohne Vorbereitung versucht, das System zu übernehmen. Hinter der selteneren Aussaat stehen bei ihnen bereits mehrere Jahre bodenschonender Anbau, eine sich verbessernde Bodenbeschaffenheit, eine bedeckte Bodenoberfläche und Beobachtungen. Die Reduzierung der Aussaatmenge ist also kein isolierter Trick, sondern eine Folge eines längeren technologischen Entwicklungsprozesses.
Es kommt nicht auf den größten Ertrag an, sondern auf einen ordentlichen Gewinn
Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Rekordertrag nicht das Hauptziel. Natürlich sind die Erträge im Vergleich zu den landesweiten Durchschnittswerten der letzten Jahre dennoch attraktiv. Bei Weizen und Gerste sind Erträge von 6 Tonnen keine Seltenheit; bei Sonnenblumen wurden dort im Jahr 2023 3,9 Tonnen geerntet, während ein benachbarter Landwirt, der konventionelle Anbaumethoden anwendet, nur 3,4 Tonnen erzielte. Laut Bence ist es unter den heutigen klimatischen Bedingungen in vielen Fällen eine Illusion, die alten Spitzenerträge anzustreben, insbesondere bei Mais und auf weniger fruchtbaren Flächen. „Wir streben schon lange keinen Maisertrag von 120 Mázsa mehr an: Zum einen wäre das gar nicht mehr zu erreichen, zum anderen ist nicht die Menge entscheidend, sondern die Einnahmen-Ausgaben-Bilanz”, argumentiert der Landwirt.
Die geringere Aussaatdichte, die reduzierte Bodenbearbeitung und die Wasserspeicherung dienen allesamt dazu, dass der Betrieb mit geringerem Risiko und bei niedrigeren Kosten einen akzeptablen Ertrag erzielt. Diese Denkweise bedeutet nicht, auf den Ertrag zu verzichten, sondern den Gewinn zu sichern. Wenn ein Bestand zwar keine Rekordernte liefert, aber mit weniger Saatgut, weniger Arbeitsaufwand, geringeren Kosten und besserem Wassermanagement stabile Erträge erzielt, kann er wirtschaftlich wertvoller sein als eine auf hohe Erträge ausgerichtete, aber teure und risikoreiche Technologie. Für die Familie Bence stellt sich nicht die Frage, wie viel man theoretisch in einem idealen Jahr ernten könnte, sondern welche Technologie auch über mehrere Erntejahre hinweg rentabel bleibt.
Es ist kein Zufall, dass die Landwirte vor der Umstellung zurückschrecken
Laut Bence fürchten viele Landwirte die Umstellung auf bodenschonende Anbaumethoden, weil es sich tatsächlich um keinen einfachen Prozess handelt. Es läuft nicht so ab, dass jemand in einem Jahr seinen Boden noch bis auf den letzten Krümel bearbeitet und im nächsten Jahr dann ohne jegliche Konsequenzen auf das No-Till-System umstellt. Der Boden braucht Zeit, und der Landwirt braucht Erfahrung.
Ein weiterer Grund für diese Skepsis ist, dass die konventionelle Bewirtschaftung auffälliger und vertrauter ist. Die frisch gepflügte, saubere Oberfläche gilt in den Augen vieler immer noch als Inbegriff guter Landwirtschaft, während ein mit Stängelresten bedecktes Feld auf den ersten Blick unordentlicher wirken kann. Nach Bences Erfahrung kommt es jedoch nicht auf die „Schönheit” der Oberfläche an, sondern darauf, wie viel Wasser der Boden speichert, wie schnell die Pflanzen keimen und inwieweit die Bodenstruktur erhalten bleibt. Als positives Beispiel nennt er die Verband der Landwirte für Bodensanierung ihre Tätigkeit: Sie sind es, die seit Jahren durch den Aufbau von Fachgemeinschaften sowie durch Fachtagungen und Konferenzen bestrebt sind, den Landwirten das für die Umstellung erforderliche Wissen zugänglich zu machen.
Man muss im Kleinen anfangen, nicht gleich auf der gesamten Farm
Bence empfiehlt, dass niemand auf einer großen Fläche mit Versuchen beginnen sollte. Auf einem mehrere hundert Hektar großen Betrieb gefährden ein paar Hektar Versuchsfläche den Betrieb nicht, man kann daraus jedoch sehr viel lernen. Seiner Meinung nach erfordert die Umstellung Geduld, Beobachtungsgabe, fachliche Aufgeschlossenheit und den Kontakt zu Landwirten, die auf diesem Weg bereits weiter fortgeschritten sind.
Die kleineren Versuchsflächen sind auch deshalb wichtig, weil jeder Betrieb anders ist. Die Böden, die klimatischen Risiken, der Maschinenpark, die Fruchtfolge und die landwirtschaftlichen Ziele unterscheiden sich. Was an einem Ort schnell Ergebnisse liefert, kann an anderer Stelle eine mehrjährige Übergangsphase erfordern. Laut Bence sollte man deshalb nicht einfach kopieren, sondern lernen, ausprobieren und das System an die eigenen Gegebenheiten anpassen.
Regenerative Landwirtschaft ist kein Patentrezept, sondern eine Denkweise
Das Beispiel des Ritzl-Betriebs zeigt, dass die regenerative, pflug- und lockerungsfreie Bewirtschaftung nicht nur eine Frage einer einzigen Maschine oder eines einzigen technologischen Elements ist. Direktsaat, das Belassen von Ernterückständen, Deckfrüchte, die bewusste Auswahl von Vorfrüchten, die Reduzierung der Aussaatmenge und die Wasserspeicherung bilden zusammen ein System.

Die Familie Bencé behauptet nicht, dass man in jedem landwirtschaftlichen Betrieb genauso vorgehen muss. Vielmehr zeigen sie, dass man auch in Gebieten mit ungünstigeren Bedingungen, die von Dürre bedroht sind, einen Weg einschlagen kann, der nicht auf die ständige Auflockerung des Bodens, sondern auf dessen Schutz setzt. Das Ziel ist kein spektakulärer Rekord, sondern dass der Boden, die Pflanzen und der Betrieb auch langfristig funktionsfähig bleiben. „Letztes Jahr sind bei uns weniger als 400 Millimeter Regen gefallen. Es zeigt sich, dass der Pflanzenanbau auch mit dieser Menge möglich ist – wenn man sorgfältig vorgeht”, fügt Bence hinzu.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dieser Geschichte ist, dass der regenerative Ansatz nicht einfach nur den Verzicht auf bestimmte Arbeitsschritte bedeutet. Es geht nicht darum, nicht zu pflügen, nicht zu lockern, nicht zu scheiben, und damit wäre die Technik schon fertig. Vielmehr geht es darum, jede Entscheidung unter Berücksichtigung der Bodenfeuchtigkeit, der Bedürfnisse der nächsten Kultur, der biologischen Prozesse und des wirtschaftlichen Ertrags abzuwägen. Deshalb kann weniger Eingriff letztendlich zu mehr Sicherheit führen.
Zoltán Kohout