Ohne Pflügen läuft Gellérts Familienbetrieb noch besser
Der Maschinenhersteller und Pflanzenzüchter aus der Vojvodina setzt seit Jahren auf regenerative Technologien
Unsere Landwirte in der Vojvodina, die Ackerbau betreiben, leiden genauso unter den Folgen der Klimakrise wie ihre Kollegen in der Tiefebene und in Südungarn; dort mildern nicht einmal EU-Beihilfen die Risiken. Gellért Kaszás Unter diesen Umständen stellte er auf eine pfluglose, regenerative Bodenbearbeitung um, und sein Bericht ist ein geradezu lehrbuchmäßiges Beispiel dafür, warum der Einsatz von Deckfrüchten, No-Till-Verfahren, Direktsaat die Verwendung reduzierter Aussaatmengen sind.
Auf 22 Hektar, mit einem völlig neuen Ansatz
Gellért Kaszás Ein Landwirt aus der Vojvodina bewirtschaftet 22 Hektar Land, auf denen er die wichtigsten Ackerkulturen anbaut: Mais, Sonnenblumen, Soja, Gerste, Weizen und Raps. Sein Betrieb wird heute vollständig nach regenerativen Prinzipien geführt. Wie er sagte, kam er vor zehn bis elf Jahren zum ersten Mal ernsthaft mit dieser Denkweise in Berührung. Zuvor wandte er Verfahren wie Umbruch, Grubberung und Kurzscheibeneggen an, doch nachdem er die Familienflächen übernommen und begonnen hatte, diese selbst zu bewirtschaften, stellte er seine Anbaumethoden um.

Zuvor hatte er keine tiefgreifenden Erfahrungen in der Landwirtschaft. Er arbeitete in einer Metallwerkstatt, bediente Maschinen, und obwohl die Familie Land besaß, half er als Kind und Jugendlicher eher nur aus, wenn es nötig war. Als er sich jedoch einen eigenen Traktor kaufte und darüber nachdachte, wie er seine Ausgaben senken könnte, begann er sich zunehmend für die bodenschonende, pfluglose Bewirtschaftung zu interessieren. Unter dem Einfluss eines Vortrags und von Fachforen im Internet entschied er sich schließlich: Er würde es versuchen.
Vom Grubber bis zur vollständigen Direktsaat
Anfangs bearbeitete er den Boden noch in einer Tiefe von 10 cm, wobei er lediglich eine kleine Kombination aus Gruber und Kurzscheibenegge einsetzte; später verzichtete er auch darauf: Er verkaufte den Gruber. Seitdem – nun schon seit vier Jahren – arbeitet er ausschließlich mit der No-Till-Technik. Das bedeutet, dass er weder pflügt noch den Boden umwälzt, sondern die Aussaat direkt in den unbearbeiteten, bedeckten Boden vornimmt. Seine Entscheidung beruhte anfangs eher auf seiner Überzeugung als auf eigenen Erfahrungen, doch inzwischen haben auch seine eigenen Ergebnisse bestätigt, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat.
Laut Gellért Kaszás ist die Deckfrucht einer der Schlüssel zur regenerativen Landwirtschaft. Seiner Ansicht nach ist der natürliche Zustand des Bodens nicht eine unbedeckte, kahle Oberfläche, sondern dass er stets von Pflanzen oder Pflanzenresten bedeckt ist. Dies schützt den Boden vor Erosion, Überhitzung und Feuchtigkeitsverlust durch Verdunstung. Seiner Erfahrung nach kann der Unterschied zwischen der Oberflächentemperatur von bedecktem und unbedecktem Boden bis zu 30 °C betragen. Durch die Bodenbedeckung erwärmt sich der Boden im Frühjahr langsamer, weshalb beispielsweise Mais oder Sonnenblumen später ausgesät werden können; im Sommer hingegen hilft dieselbe Bodenbedeckung, Hitzestress und Wasserverlust zu mindern. „Das ist kein Wunder: Der Boden „weiß” seit Millionen von Jahren, wie er Wasser und Kohlenstoff schützt und wie er sich vor schädlichen äußeren Einflüssen schützt. Regenerative Verfahren nähern sich im Grunde genommen den natürlichen Verhältnissen und Mechanismen an, deshalb funktionieren sie”, fügt der Landwirt aus der Vojvodina hinzu.
Der bedeckte Boden schützt sich besser selbst und bewahrt die Feuchtigkeit
Seiner Meinung nach erfordert diese Technologie ein Umdenken. Es reicht nicht aus, auf das Pflügen zu verzichten – die gesamte Anbautechnik muss neu konzipiert werden. Man muss auch anders über den Aussaatzeitpunkt, die Fruchtfolge, die Mischungen aus Deckfrüchten, die Nährstoffversorgung und den Pflanzenschutz nachdenken. Er formulierte es so: Wer sich unvorbereitet darauf einlässt, kann leicht Überraschungen erleben, doch in solchen Fällen liegt der Fehler nicht bei der Technologie, sondern beim fehlenden Wissen. „Ich weiß, dass viele aus Angst nicht den Sprung wagen, weil sie befürchten, dass ihre Erträge sinken, der Pflanzenschutz misslingt oder die Technologie teurer wird. Meine Erfahrung ist jedoch, dass man zwar ein oder zwei Jahre Lernphase braucht, in denen man hier und da Fehler machen darf. Aber nach dieser kurzen Zeit lassen sich selbstbewusst stabile Erträge erzielen, und das sogar bei geringeren Kosten. Es sind weniger Überfahrten erforderlich, die Aussaatmenge ist geringer, es wird weniger Betriebsmittel benötigt, sodass der Pflanzenbau auf diese Weise letztlich nicht nur stabiler, sondern auch rentabler wird”, bekräftigt er.
Deckpflanzen hingegen sorgen für ein günstigeres Mikroklima. Im bedeckten Boden bleibt der Abbau organischer Substanzen länger aktiv, und die Humusbildung, die krümelige Struktur ist stabiler, und auch die im Wurzelbereich lebenden Mykorrhiza-Pilze finden dort günstigere Lebensbedingungen vor.
Mais zeigt die Grenzen des Systems auf
Er hält Mais für die empfindlichste Pflanze im No-Till-Anbau. Der Grund dafür ist seiner Meinung nach, dass Mais einen luftdurchlässigen, lockeren Boden benötigt. Bei der konventionellen Bewirtschaftung wird durch Pflügen, Grubbern oder Scheibeneggen Luft in den Boden eingearbeitet, was vorübergehend eine lockerere Bodenstruktur schafft, gleichzeitig aber auch die Oxidation der organischen Substanz beschleunigt. Ohne Bodenbearbeitung kann der Boden zunächst verdichteter erscheinen, bis die Wurzeln, die Deckpflanzen und die Bodenlebewesen das natürliche Porensystem wiederherstellen. Darauf kann Mais empfindlich reagieren, insbesondere unter trockenen Bedingungen.
Die Bedeutung von Mais in seinem Betrieb nimmt daher ab. Die Vojvodina ist ebenso eine zunehmend trockener werdende Region wie die östlichen und südlichen Gebiete Ungarns, und laut Gellért Kaszás liefert Mais immer seltener sichere Erträge. Während Gerste in guten Jahren stabil gute Erträge liefern kann, bringt Mais immer häufiger nur noch bescheidenere Erträge. Sonnenblumen hält er dagegen für eine anpassungsfähigere Pflanze. Seinen Erfahrungen nach lassen sie sich leichter in einem System ohne Fruchtfolge anbauen, vertragen härtere Bodenbedingungen besser und haben in den letzten Jahren mehr Geld eingebracht als Mais.
Fruchtfolge und Sonnenblumen
Auch bei Sonnenblumen hat er keine nennenswerten zusätzlichen Pflanzenschutzprobleme festgestellt, weil er den Boden nicht umgräbt. Seiner Meinung nach sind eine gute Fruchtfolge und die bewusste Auswahl von Deckfrüchten die Voraussetzungen für den Erfolg. Es gibt bestimmte Mischungen von Deckpflanzen, deren einzelne Bestandteile schwerer zu bekämpfen sind; daher muss man genau wissen, was man aussät und wie man den Bestand später bewirtschaften wird. Das regenerative System erfordert also nicht weniger Wissen, sondern eine andere Art von Wissen.
Soja: Auch wenn der Ertrag gering ist, ist es wertvoll
Er baut auch Soja an, obwohl er der Ansicht ist, dass die Region kein wirklich idealer Standort dafür ist. Dennoch behält er sie als Zweitfrucht im Fruchtwechsel bei, da sie für den Boden äußerst nützlich ist. Sein starkes Wurzelsystem lockert den Boden auf, verbessert dessen Struktur, und seine Wurzelknollen binden Stickstoff aus der Luft. Aus diesem Grund ist Soja eine gute Vorfrucht und kann dazu beitragen, die Kosten für Stickstoffdünger zu senken. Es wird auch mit einer Lösung experimentiert, bei der nach früh geernteter Gerste Soja ausgesät wird: Ist der Bestand vielversprechend, wird die Soja als Handelsware geerntet, andernfalls bleibt sie als Deckfrucht auf dem Feld stehen.
Weniger Saatgut, kräftigerer Bestand
Bei Getreide, insbesondere bei Weizen und Gerste, hält er eine Verringerung der Aussaatmenge für besonders wichtig. Seiner Erfahrung nach ist Getreide eine buschig wachsende Pflanze, weshalb eine dichte Aussaat nicht unbedingt zu besseren Erträgen führt. Wenn zu viele Pflanzen auf einer kleinen Fläche wachsen, schwächen sie sich gegenseitig, und die Ähren leiden darunter. Eine spärlichere, bewusstere Aussaat kann dagegen zu einem stabileren Bestand und günstigeren Kosten führen.
In Bezug auf Raps hob er hervor, dass viele Menschen in seiner Umgebung einen erfolgreichen Anbau nur auf sehr feinkörnigem, krümeligem Boden für möglich halten, da es sich um eine kleinfrüchtige Pflanze handelt. Er selbst hat jedoch auch ohne Fruchtfolge gute Erfahrungen damit gemacht. Konkrete Zahlen hält er nicht für wesentlich, sondern eher den Trend: Seiner Meinung nach kann auch Raps in diesem System funktionieren, wenn der Landwirt die Logik der Technologie versteht.

Gießen…? Lieber abdecken!
Gellért Kaszás ist der Ansicht, dass Bewässerung allein keine Lösung für die Dürre darstellt. Im Gegenteil: In Verbindung mit einer unsachgemäßen Bodenbearbeitung kann sie den Zustand des Bodens langfristig sogar verschlechtern. Ein häufig bearbeiteter Boden sei seiner Meinung nach so, als würde man aus einer krümeligen Struktur Mehl herstellen: Wenn Wasser darauf trifft, kann die oberste Schicht verschlammen, die Poren verschließen und verkrusten, sodass weder Luft noch Wasser ausreichend eindringen können. Die Abdeckung Und die Erhaltung der Bodenstruktur sei daher seiner Meinung nach ein nachhaltigeres Instrument der Wasserwirtschaft als eine auf Bewässerung ausgerichtete Strategie. Nach den Messungen von Gellért Kaszás kann sich zwischen der Oberflächentemperatur von bedecktem und unbedecktem Boden ein Unterschied von bis zu 30 Grad Celsius ergeben – selbst wenn diese nur wenige hundert Meter voneinander entfernt sind! Dies ist nicht nur für die Pflanzen wichtig, sondern auch für die im Boden lebenden Mikroorganismen auch deswegen.
Es ist weder für Wissenschaftler noch für Landwirte einfach, sich umzustellen
Als größtes Hindernis für Veränderungen sieht er Gewohnheit und Angst. Seiner Erfahrung nach fällt es vielen Landwirten – insbesondere denjenigen, die in Mehrgenerationenbetrieben mit traditioneller Bewirtschaftung aufgewachsen sind – schwer zu akzeptieren, dass man auch auf andere Weise erfolgreich Landwirtschaft betreiben kann. Das gleiche spürt er manchmal auch seitens der Fachinstitutionen und der Akteure an den Universitäten: Seiner Meinung nach ist es schwer, sich damit auseinanderzusetzen, wenn jemand jahrzehntelang eine andere Sichtweise gelehrt oder verfolgt hat.
Auch seine Maschinen tragen zur bodenschonenden Bewirtschaftung bei
Gellért ist in den Landwirtekreisen Ungarns und der Vojvodina jedoch nicht nur als Pflanzenzüchter, sondern auch als Maschinenhersteller bekannt. Er begann mit dem Maschinenbau, weil für die regenerative Technologie geeignete Maschinen benötigt werden, diese für kleinere Betriebe jedoch schwer erhältlich sind. Die No-Till-Sämaschinen der großen Hersteller sind oft 6–9 Meter lange, leistungsstarke Geräte, die eher für Großbetriebe geeignet sind. Er hingegen begann, kleinere Maschinen herzustellen, die auch kleineren Landwirten die Möglichkeit bieten, direkt in den unbearbeiteten Boden zu säen.

Zunächst stellte er lediglich Pflugscharen für den Umbau bestehender Sämaschinen her, später entstand jedoch auch Bedarf an kompletten Maschinen. Heute fertigt er Sämaschinen mit zwei Behältern, sodass Saatgut und Dünger gleichzeitig ausgebracht werden können. Der Reihenabstand und die Aussaattiefe sind einstellbar, und die Technologie trägt dazu bei, die Anzahl der Durchgänge, den Dieselverbrauch und die Bodenverdichtung zu reduzieren. Seinem eigenen Beispiel zufolge lässt sich die Aussaat von Getreide auf diese Weise in einem Arbeitsgang erledigen: Das Saatgut und der Dünger werden an die richtige Stelle gebracht, und die Pflanze kann wachsen.
Es braucht kein Wunder, sondern Einsicht
Laut Gellért Kaszás ist regenerative Landwirtschaft kein Wundermittel, sondern ein Umdenken. Es geht nicht darum, gar nichts zu tun, sondern darum, mit weniger Eingriffen, mehr Beobachtung und besseren Entscheidungen zu arbeiten. Er ist davon überzeugt, dass Bodenbedeckung, der Verzicht auf das Umgraben, eine abwechslungsreiche Fruchtfolge und der sinnvolle Einsatz von Maschinen auch für kleinere Betriebe ein gangbarer Weg sind.
Zoltán Kohout