Weniger Aufwand, mehr Leben, höhere Gewinne
Ist der Ertrag wirklich der einzige Maßstab für den Erfolg einer Wirtschaft? Der prominenteste Kritikpunkt an der regenerativen Landwirtschaft ist die Sorge um abnehmende Erträge.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass der Rückgang des Ertragsniveaus bei weitem nicht überall zu beobachten ist. In vielen Fällen bleiben die Erträge stabil, und durch die Wiederherstellung des Bodenlebens und des Nährstoffkreislaufs kann sogar eine allmähliche Steigerung erreicht werden. In regenerativen Systemen liegt der Schwerpunkt auf dem langfristigen Gleichgewicht: Ein besseres Wasser- und Nährstoffmanagement in gesunden Böden macht die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Stress, so dass die Erträge weniger schwanken und weniger externe Inputs zu ihrer Aufrechterhaltung erforderlich sind.

Schrittweise Steigerung der Erträge durch Wiederherstellung des Bodenlebens und des Nährstoffkreislaufs
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Gewinn ist nicht nur eine Frage der Ertragssteigerung
Die Senkung der Inputkosten ist eine häufige Motivation der Landwirte, wenn sie eine Umstellung auf eine regenerative Landwirtschaft erwägen. Eine Steigerung der Rentabilität kann nicht nur durch höhere Erträge, sondern auch durch eine bewusste Senkung der Produktionskosten erreicht werden. In vielen Fällen ist dies der nachhaltigere Weg, da der Einsatz von Betriebsmitteln und der intensive Anbau von Ackerkulturen zur Bodendegradation, zum Verlust der Bodenstruktur und -fruchtbarkeit und damit zur Zerstörung des Bodenlebens beitragen. In der regenerativen Landwirtschaft wird die Verringerung der Betriebsmittel durch einen ganzheitlichen, systemischen Ansatz erreicht, der sich auf den Aufbau gesunder, biologisch aktiver Böden konzentriert. Ein solcher Boden erfordert weniger Eingriffe und synthetische Inputs und ist gleichzeitig widerstandsfähiger gegen extreme Wetterbedingungen.
Zu den Grundprinzipien der regenerativen Landwirtschaft gehören die Minimierung von Bodenstörungen, die Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen Oberbodenbedeckung, die ganzjährige Präsenz lebender Wurzeln, die Erhöhung der Artenvielfalt durch Deckfrüchte, Zwischenfruchtanbau und Fruchtfolge sowie die Integration der Viehhaltung. Diese Umstellung ermöglicht es dem Betrieb, von natürlichen Prozessen wie dem Nährstoffkreislauf und der natürlichen Resistenz gegen Schädlinge zu profitieren und so die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit des Bodens zu verbessern, während gleichzeitig die Inputkosten gesenkt und die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile erhöht werden. Die regenerative Umstellung führt nicht nur zu mehr Leben im Boden, sondern auch zu mehr Gewinn für den Landwirt, und das mit weniger Zeit und Aufwand. Viele Landwirte berichten, dass sie seit der Umstellung mehr Zeit für ihre Familien haben. Mehr Leben im Boden - ein ausgeglicheneres, lebenswerteres Leben auch für den Landwirt.
Häusliche Beispiele aus der Praxis
Attila Szeredi, Komitat Csongrád-Csanád Gastgeber, a Verband der Landwirte für Bodensanierung ist ständig dabei, seine Wirtschaft zu erneuern, denn seit der Umstellung auf regenerative Energien ist die Nachfrage nach lebenden Arbeitskräften stetig zurückgegangen. Anstatt Entlassungen vorzunehmen, diversifiziert der Betrieb seine Aktivitäten und führt neue Sorten und neue Produktionsmethoden ein, um die Weiterbeschäftigung der Arbeitnehmer zu gewährleisten.
Geringerer Kraftstoffverbrauch - die ersten spektakulären Einsparungen
Die erste wirklich beeindruckende Senkung der Inputkosten betrifft den Kraftstoffverbrauch. In der regenerativen Landwirtschaft wird der Kraftstoffverbrauch vor allem durch die Verringerung oder Abschaffung der mechanischen Bodenbearbeitung und durch die Verringerung des Einsatzes synthetischer Betriebsmittel wie Düngemittel und Pestizide gesenkt, deren Anwendung ebenfalls viel Energie erfordert.
Reduzierte Bodenbearbeitung
In der konventionellen Landwirtschaft entfällt der größte Teil des Kraftstoffverbrauchs auf den Betrieb von Maschinen, die zum Tiefpflügen und zur intensiven Bodenbearbeitung eingesetzt werden. Unter den regenerativen Praktiken Direktsaatanwendung führt zu den größten Einsparungen an Heizöl, da die Bodenbearbeitung und die Saatbettbereitung vollständig entfallen. In Systemen mit geringer Bodenbearbeitung können sogar reduzierte Bodenbearbeitung und Scheiben- und Furchenbearbeitung im Vergleich zum Pflügen zu erheblichen Kraftstoffeinsparungen führen. Durch die Verringerung der Bodenstörung können die Landwirte die Anzahl der Überfahrten schwerer Maschinen für die Aussaat und das Unkrautjäten reduzieren, was sich direkt in Kraftstoffeinsparungen niederschlägt. Die Verdichtung des Bodens und der Widerstand beim Pflügen erhöhen den Energiebedarf der Maschinen. Bei Direktsaatsystemen wird weniger Energie und damit auch weniger Kraftstoff benötigt.
Weniger Dünger, gesünderer Boden
Ein weiteres greifbares Ergebnis des regenerativen Ansatzes ist die schrittweise Reduzierung von Agrochemikalien, insbesondere von Düngemitteln und Pestiziden. Für die meisten Landwirte ist dies der nächste große Schritt zur Systemerneuerung. Die Grundlage für diesen Übergang ist jedoch nicht der sofortige Verzicht, sondern die Wiederherstellung des Bodenlebens und des Nährstoffkreislaufs. Ein gesunder, biologisch aktiver Boden ist in der Lage, die Pflanzen zu ernähren und Belastungen aus eigener Kraft zu widerstehen, so dass weniger Eingriffe von außen erforderlich sind. Ziel der regenerativen Landwirtschaft ist nicht die schnelle Einsparung, sondern die langfristige Wiederherstellung der natürlichen Funktionsfähigkeit des Bodens.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Grunddosis von Phosphor- und Kaliumdüngern zunächst reduziert werden kann, da diese Nährstoffe durch die Zersetzung organischer Stoffe und die mikrobielle Aktivität allmählich freigesetzt werden. In den letzten Jahren ist jedoch auch der Stickstoff in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus ökologischer Sicht. Hohe Stickstoffeinträge über 180 kg/ha halten die chemische Abhängigkeit der Pflanzen aufrecht und behindern die Einleitung von Regenerationsprozessen. Die Erfahrung zeigt, dass Stickstoff- und Pestizideinsatz eng miteinander verbunden sind: Wenn der Stickstoffgehalt gesenkt wird, werden die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten und der Einsatz von Fungiziden kann reduziert werden.

Tabelle 1. Kosten und Merkmale der Bodenbearbeitungssysteme bis zur Sonnenblumenaussaat auf dem Betrieb von Attila Szeredi. Die Schätzungen beinhalten die Kosten für Kraftstoff, Arbeit, Abschreibung und Ersatzteile (Kiszombor, 2024)
Neue Wege im Stickstoffmanagement
Ferenc Berend, Eigentümer des Hofes Somogyi Kószáló, ist seit mehr als zehn Jahren auf dem Weg zur Regeneration des Bodens. In der Anfangsphase der Umstellung baute er seine Felder mit bodenschonenden Methoden an. Seit mehr als sechs Jahren sind diese Felder nun schon Direktsaattechnik angewendet. Bei Mais beispielsweise erzielte er 2025 mit 60 kg/ha N einen durchschnittlichen Bruttoertrag von 7 Tonnen, wobei die Ergebnisse auf einigen Feldern deutlich höher ausfielen, während es in den vom Waldbrand betroffenen Gebieten zu erheblichen Einbußen kam.
Stickstoffdünger in reduzierten Mengen, ergänzt durch eine Kohlenstoffquelle wie Vinasse, Huminsäure oder Fulvosäure, sind eine wirksame Lösung, die nicht nur effektiver, sondern auch weniger belastend für den Boden ist. Ein ausgewogenes Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis trägt zur Aufrechterhaltung der mikrobiellen Aktivität bei und erhöht die Verwertung des ausgebrachten Stickstoffs in der Wurzelzone.

Ziel der regenerativen Landwirtschaft ist es, dem Boden langfristig seine natürliche Funktionsfähigkeit zurückzugeben
Ohne Stickstoffdünger
Eine andere Möglichkeit ist der vollständige Verzicht auf stickstoffhaltige Düngemittel. Zoltán Szabó, Ein Landwirt in Kiskunmajsa bringt überhaupt keinen anorganischen Stickstoff auf dem Grünland aus, sondern verwendet Vinasse und ein Estence arbeitet mit einer mikrobiellen Formulierung auf Wurmhumusbasis. Außerdem setzt er auf Zwischenfruchtanbau: Er baut die Gräser immer zusammen mit einer Schmetterlingspflanze an, z. B. Buche oder Futtererbsen. Die Schmetterlinge geben einen Teil des Stickstoffs, den sie fixieren, an den Boden ab, wenn sie gepflanzt werden, so dass die Gräser ihn nutzen können, wenn sie ihn am meisten brauchen.
Internationaler Ausblick - ähnliche Trends in Westeuropa
Die Erfahrungen britischer und westeuropäischer Landwirte zeigen, dass diejenigen, die den regenerativen Weg beschreiten, den Düngemitteleinsatz schrittweise (über einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren) um mindestens 20 bis 401 TP3T reduzieren können, während gleichzeitig die organische Substanz im Boden erhöht, die Erträge stabilisiert und die Rentabilität des Betriebs verbessert werden.

Die Erfahrung der Landwirte mit der Regeneration des Bodens zeigt, dass Pestizide immer weniger notwendig sind
Rückläufiger Einsatz von Pestiziden
Ein ähnlicher Ansatz gilt für den Pflanzenschutz. In regenerativen Systemen schwächt der schrittweise Verzicht auf Insektizide und Fungizide das Ökosystem nicht, sondern stärkt es sogar: Die Artenvielfalt nimmt zu, Nützlinge kehren zurück und die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanzen werden aktiviert. Ein gut funktionierendes Bodenleben und eine ausgewogene Nährstoffversorgung ermöglichen langfristig den Verzicht auf chemische Eingriffe.
Die Erfahrung der Landwirte, die ihre Böden erneuern, zeigt, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer seltener erforderlich ist - Ferenc Berend beispielsweise hat fast vollständig auf den Einsatz von Fungiziden verzichtet. Gleichzeitig gibt es neue Herausforderungen: Schneckenschäden erfordern immer mehr Aufmerksamkeit. „Die Rentabilität sollte auf der Ebene des Betriebs und nicht auf der Ebene des Tisches betrachtet werden”, betont Ferenc Berend, der der Meinung ist, dass die Verringerung des Betriebsmitteleinsatzes nicht nur wichtig ist, um die Erträge zu maximieren, sondern auch, um die natürlichen Funktionen des Bodens zu verbessern, was seinen Betrieb langfristig nachhaltig macht.

Ein gesunder, biologisch aktiver Boden ist in der Lage, Pflanzen zu ernähren und Stress zu widerstehen.
Weniger Input, mehr Balance - der Weg in die Zukunft
Ziel der regenerativen Landwirtschaft ist es, auf den Einsatz schädlicher und energieintensiver Chemikalien zu verzichten und Böden, Ökosysteme und Bewirtschaftungssysteme im Einklang mit der Natur zu erneuern. Weniger Input bedeutet nicht weniger Produktion, sondern Stabilisierung der Prozesse und Selbsterhaltung der Systeme. Die Erfahrung zeigt, dass Bodenleben die Wirtschaft wird ausgewogener sein, mit weniger Eingriffen von außen und geringerem Energie- und Materialverbrauch. Dies wird langfristig zu einem berechenbareren und nachhaltigeren Betrieb führen.
AUTORIN: VÍG VITÁLIA • BODENÖKOLOGIN, VERANTWORTLICHE FÜR DAS BILDUNGSPROGRAMM DER VEREINIGUNG DER BODENREGENERIERENDEN LANDWIRTE, GRÜNDERIN VON TERRAVITKA